Die Schuldlosen
Hermann Brochs 1950 erschienener Roman "Die Schuldlosen" entfaltet in zehn miteinander verbundenen Erzählungen ein vielstimmiges Panorama des deutschen Bürgertums zwischen 1913 und 1933. Die episodische Komposition verbindet psychologische Nahsicht, essayistische Reflexion und ironisch gebrochene Gesellschaftsanalyse; wiederkehrende Figuren und Motive machen sichtbar, wie politische Verantwortungslosigkeit, moralische Indifferenz und metaphysische Orientierungslosigkeit den Aufstieg des Nationalsozialismus vorbereiten. Zwischen realistischer Milieuschilderung, philosophischem Dialog und beinahe allegorischer Verdichtung steht das Werk in der Tradition des modernen europäischen Zeitromans und führt zugleich Brochs lebenslange Untersuchung des Zerfalls gemeinsamer Werte weiter. Hermann Broch (1886–1951), in Wien geboren, war zunächst als Industrieller tätig, bevor er sich der Literatur und der Erkenntnistheorie zuwandte. Seine Erfahrungen mit dem Ende der Habsburger Welt, den ideologischen Erschütterungen der Zwischenkriegszeit und dem Exil in den Vereinigten Staaten prägten sein Schreiben nachhaltig. Wie bereits in "Die Schlafwandler" und "Der Tod des Vergil" interessiert ihn die Frage, wie gesellschaftliche Krisen aus individuellen Haltungen hervorgehen und wie Kunst auf den Verlust verbindlicher Maßstäbe reagieren kann. "Die Schuldlosen" empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die literarische Form als Instrument historischer Erkenntnis verstehen. Der Roman verlangt Aufmerksamkeit, belohnt sie jedoch mit einer präzisen, beunruhigend aktuellen Analyse von Mitverantwortung, Selbsttäuschung und politischer Passivität. Brochs Werk ist damit sowohl ein bedeutendes Dokument der literarischen Moderne als auch eine eindringliche Warnung vor der verhängnisvollen Behauptung, niemand sei schuldig. Hermann Broch (1886–1951), Wiener Moderne, aus einer jüdischen Industriellenfamilie stammend, konvertierte früh, gab die Textilfabrik auf und entwickelte eine Werttheorie des modernen Zerfalls, die bereits die Schlafwandler-Trilogie prägte. Nach Verhaftung 1938 emigrierte er in die USA; in der Exillage verdichtete er ältere Erzählkerne zu Die Schuldlosen – zugleich ästhetische Forschung und diagnostische Zeitkunde. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die narrative Innovation mit philosophischer Strenge suchen. Die Schuldlosen bietet, jenseits linearer Handlung, ein analytisches Sensorium für die Mikropraktiken der Komplizenschaft – ein Werk, das die Wahrnehmung schärft, statt Trost zu spenden, und das intellektuell lange nachwirkt.
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Autore:
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Anno edizione:2025
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Lingua:Tedesco
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