Essays 19
Geboren in der ehemaligen britischen Kolonie Indien verlief das Leben von George Orwell alles andere als geradlinig. Er besuchte Schulen in Indien und England, beherrschte mindestens zwei gebräuchliche Sprachen Indiens, arbeitete in diversen Gelegenheitsjobs, trieb sich als Landstreicher in England herum, studierte unter Aldous Huxley, verdiente sich als Polizist in Indien, nahm am spanischen Bürgerkrieg als Freiwilliger auf Seite der Republikaner teil und arbeitete Seite an Seite mit Ernest Hemingway als Kriegsberichterstatter. Als junger Mann stand er zwar kommunistischen Ideen offen gegenüber und in seinen frühen Texten finden sich auch antisemitische Vorurteile, doch mit der Zeit und in reiferen Jahren distanzierte sich Orwell öffentlich und in seinen schriftstellerischen Werken ohne Wenn und Aber von seinen jugendlichen Dummheiten. Womöglich durch die brutale Fremdherrschaft des Empires über Indien und durch Stalins organisierten Staatsterror und Massenmord angewidert entwickelte er sich zu einem überzeugten sozialistischen Demokraten, der alle Machtorgane von möglichst vielen Menschen organisiert und Machtumsetzung immer auf möglichst vielen Schultern verteilt sehen wollte. Einen großen Teil seiner prosaischen Werke bilden seine Essays ab, hier Teil 19. Darin schildert Orwell seine Erfahrungen aus dem spanischen Krieg und spannt den Bogen zur sogenannten „objektiven Wahrheit“, welche in ziemlich vielen Varianten zu existieren scheint. Des weiteren stellt er anhand zahlreicher Beispiele aus der Praxis fest, dass die spanischen Freiheitskämpfer keinerlei Waffenlieferungen aus den demokratischen Staaten als Unterstützung bekommen haben, während die faschistischen Franco-Truppen mit Kriegsgerät aus Nazi-Deutschland und Nazi-Italien unterstützt wurden und deshalb den Sieg davontrugen. Die interessante These bezüglich einer in der Regel kurz- bis mittelfristig anhaltenden Überzeugungsneigung hin zu leeren Versprechen von Parteien, die niemals regiert haben, von Otto Normalverbraucher ist überaus scharfsinnig, denn früher oder später kommt immer der Moment, in welchem auch diesem klar wird, dass er auf eine Lüge hereingefallen ist.
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Autore:
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Durata in (hh:mm:ss):00:54:27
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Anno edizione:2026
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